40 Jugendliche versammeln sich zum «Hacken» für einen guten Zweck. Dabei realisieren sie in nur knapp zwei Tagen zehn Projekte – was für viele Firmen nach Utopie klingt, ist bei Jugend hackt «State of the Art». Vom 11. bis 13. November 2016 konnte der erste «Jugend hackt»-Event in der Schweiz durchgeführt werden. Mit über 40 TeilnehmerInnen und MentorenInnen wurde während den drei Tagen fleissig gehackt.

 

Brainstorming-Phase

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: zeitgebilde.de

Ideensammlung: Was wollen wir hacken?

Begleitet von MedienpädagogInnen, MitarbeiterInnen der Offenen Jugendarbeit Zürich (OJA), sowie 14 MentorInnen aus verschiedenen fachlichen Richtungen wurden am ersten Abend Ideen ausgetauscht, zusammenkonzentriert und konkrete Projektvorschläge ausgearbeitet rund um das Thema «Grenzen». Das Thema konnte breit interpretiert werden, von territorialen/räumlichen Grenzen hin zu Möglichkeitseinschränkungen, und diente als Ausgangspunkt für die Frage, wie «die Welt ein wenig besser» gemacht werden könnte.

 

Hacker – sind die nicht böse?

Hacken meint hier nicht der von den Medien geprägte Ausdruck eines Verbrechens, bei welchem in Netzwerke eingedrungen und Schaden verursacht wird. Ein Hacker ist jemand der einen spielerischen kreativen Umgang mit Technik jeglicher Art hat und mit dem deutschen Begriff «Tüftler» übersetzt werden könnte. Gemeint ist, dass man Gegebenes nimmt, es verbessert und zur Verfügung stellt. Man kann Computer und Elektronik hacken, aber genauso Kunst und Handwerk, Mathematik, Wissenschaft, Gesellschaft – wir alle sind in irgendeiner Form Hacker.

 

Geringe Vorkenntnisse notwendig

Ich habe schon einmal…

Notwendige Vorkenntnisse: Wenige

Interessant am Jugend hackt war die Zusammensetzung der teilnehmenden Jugendlichen: Von potentiell IT-interessierten bis hin zu erfahrenen 3.-Lehrjahr-InformatikerInnen war alles vorhanden – Mädchen und Jungs gleichermassen. Wer sich nicht sicher war, ob er/sie zur Teilnahme geeignet war, konnte vor der Anmeldung einen simplen Fragebogen ausfüllen. Dieser machte klar: Praktisch jeder technikinteressierte Mensch bringt die notwendigen minimalen Erfahrungen. Als Resultat konnten sich auch alle Gruppen, unabhängig von ihren Vorkenntnissen, ein realistisches aber genauso ambitioniertes Projektziel setzen. Bereits am folgenden Morgen kristallisierten sich zehn Projekte heraus, für welche sich die Jugendlichen entscheiden konnten um dann schliesslich voller Tatendrang loszulegen.

 

Roboter bauen

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: zeitgebilde.de

Na dann los!

In den Räumlichkeiten der Autonomen Schule Zürich ging es am Samstag schliesslich in die intensive Phase, in welcher es darum ging, Lösungen für die sich selbst gestellten Aufgaben zu suchen. Die Projekte waren dabei so vielfältig wie die zehn Fragestellungen kombiniert mit den zahlreichen technischen Möglichkeiten. Es wurden Roboter konstruiert, welche verschiedenste Aufgaben bewältigen konnten, wie etwa Legosteine sortieren oder schreiben helfen. Eine Gruppe programmierte ein Werkzeug um frei zugängliche WLAN-Hotspots zu finden und diese auf einer Websites darzustellen. Sogar ein Text-Adventure-Spiel wurde entwickelt. Die MentorenInnen standen dabei stets zur Verfügung, wenn technische Fragen auftauchten, und begleiteten die 12- bis 18-Jährigen während der gesamten Projektphase. Innerhalb nur eines Tages waren die Projekte ausgereift respektive wurden so ausgestaltet, dass sie als Prototyp dienen konnten.

 

Präsentation

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: zeitgebilde.de

Austausch und Präsentation

Am Sonntag ging es darum, die erarbeiteten Erfahrungen auszutauschen und sein auch zu präsentieren. Am Nachmittag präsentierten die Jugendlichen vor einem vollen Saal im Planet 5 ihre Projekte. Verschiedene ZuschauerInnen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum nutzten auch die Möglichkeit die Präsentationen live im Internet zu verfolgen und liessen so Jugend hackt Schweiz zu einem Internationalen Anlass werden.

 

Weiterführende Links

Was ist Jugend hackt?

Jugend hackt ist ein Programm zur Förderung des Programmiernachwuchses. Während Initiativen wie Jugend musiziert und Jugend forscht seit Jahrzehnten etabliert sind, finden junge Talente aus dem Bereich der Softwareentwicklung bisher kaum Platz in den staatlichen geförderten Initiativen. Seit 2013 veranstalten die Open Knowledge Foundation Deutschland und mediale pfade jährlich Jugend hackt, einen inzwischen erfolgreich etablierten «Hackathon» für Jugendliche aus ganz Deutschland. Dort bauen die TeilnehmerInnen mit Hilfe von offenen Daten neue Anwendungen, realisieren Hardwareprojekte und können ihre technischen Fähigkeiten unter Gleichgesinnten ausleben. Dabei werden die Jugendlichen von ehrenamtlichen MentorInnen (z.B. erfahrenen SoftwareentwicklerInnen und WissenschaftlerInnen) begleitet. Gemeinsam tüfteln sie an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft.

Ziel von Jugend hackt ist es die vorhandenen Programmierfähigkeiten der Jugendlichen weiter zu fördern und sie gleichzeitig für die gesellschaftspolitische Verantwortung eben dieser Fähigkeiten zu sensibilisieren. Durch den intensiven Austausch mit Gleichgesinnten und erwachsenen Programmierer/innen können die Jugendlichen zudem ein positives Verhältnis zu ihrem technischen Interesse entwickeln.

Der Event in Zürich wurde von den Nyanjas organisiert – ein Verein, der digitales Selbermachen unterstützen möchte. Die Nyanjas haben sich mit vielen anderen Menschen und Einrichtungen zusammengetan, die mit Jugendlichen und/oder mit Technik und Daten zu tun haben, um ein interessantes Programm, spannende Orte und viel Unterstützung für die Projekte anzubieten. Nyanjas übernimmt die Ausrichtung der Veranstaltung in der Schweiz.

Gefördert wird Jugend hackt Schweiz freundlicherweise von Migros Kulturprozent, dem Sozialdepartement der Stadt Zürich, Google, dem ICT-Cluster Zürich, Liip und IngCH.

Weitere Informationen und Dokumentationen vergangener Jugend hackt-Events finden Sie unter: https://jugendhackt.org. Informationen zu der Veranstaltung in Zürich finden Sie unter https://jugendhackt.ch.

Roboter bauen
Wissenstransfer
Live-Übertragung

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: zeitgebilde.de

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