Viele Jugendarbeitsstellen bieten Jugendlichen Unterstützung bei Schreibarbeiten an, sei es für Schularbeiten, bei der Lehrstellensuche, beim Ausfüllen von Stipendienanträgen, bei der Wohnungssuche und vielem mehr. Diese Form von Coaching erfordert in der Regel einen Computerarbeitsplatz und findet daher oft vor Ort in den Jugendtreffs oder den Büros der Jugendarbeitsstelle statt.

Nur, können Jugendarbeitende solche Unterstützung auch in Zeiten von Social Distancing oder geschlossenen Treffs gewährleisten?

Keine Abstriche beim Support

Bei meiner Arbeit bei JOB SHOP / INFO SHOP, einer Anlaufstelle für Stadtzürcher Jugendliche und junge Erwachsene, ist diese Form von Unterstützung eines unserer Kernangebote. Entsprechend intensiv haben wir uns nach Lösungen umgesehen, um unseren Support aufrechterhalten zu können. Ein Merkmal unserer Arbeit ist ein befähigender Anspruch, dass wir es nicht für sie sondern mit ihnen erledigen möchten und sie so viel wie möglich selbst machen lassen, während wir sie mit Fragen oder Vorschlägen begleiten, ihre Ideen bestärken, auf Fehler hinweisen usw. Klar war daher: Support per Email oder mit der Überarbeitungsfunktion in Word, wie es im Geschäftsbereich verbreitet ist, ist nicht jugendgerecht und erfüllt das Bedürfnis nach einem intensiven, direkten Austausch und Zusammenarbeiten nicht.

Der Lösungsansatz: Remote Desktop

Stattdessen suchten wir nach Lösungen, wie das Geschehen auf dem Computer, an welchem die*der Jugendliche sitzt, auch auf einem zweiten Gerät, an welchem der*die Jugendarbeitende sitzt, dargestellt und beeinflusst werden kann. In der IT spricht man bei solchen Lösungen von Remote Desktop oder Fernzugriff. Das sind Systeme, welche in der Regel in grösseren Betrieben zum Einsatz kommen, wenn Systemadministrator*innen aus der Ferne auf die Geräte von Mitarbeitenden zugreifen, welche Unterstützung anfordern.

Spannend an der Lösung Remote Desktop ist, dass sie sowohl eine Möglichkeit bietet, unser Angebot vor Ort mit Social Distancing aufrechtzuerhalten, als auch zusätzliche neue Formen von Distanzsupport erlaubt. Parallel zur Verbindung der beiden Computer, welche die technische Lösung für das zeitgleiche Arbeiten bietet, braucht es immer noch den direkten Austausch, das Coaching selbst. Vor Ort machen wir das weiterhin persönlich – unter Einhaltung der Distanz – und für Distanzsupport bieten sich die Kanäle Telefon oder Video an, um die Zusammenarbeit am Bildschirm zu ergänzen. Selbstverständlich ist für uns, dass wir immer nur nach Einverständnis der Jugendlichen eine Verbindung mit ihren Geräten aufbauen.

Im Folgenden geht es um die Vor- und Nachteile verschiedener Remote-Desktop-Tools, welche wir evaluierten. Unser vorläufiger Favorit vorweg: Splashtop.

Windows Remote Desktop – die naheliegende Lösung?

Windows selbst bietet im System bereits integriert eine Remote-Desktop-Funktion an, weshalb dafür keine zusätzliche Software erforderlich ist und keine Kosten anfallen. Nachteil: Greift der*die Administrator*in auf das Gerät der*des Clients zu, sieht diese*r den Bildschirm selbst nicht mehr und das zeitgleiche Arbeiten ist nicht möglich – ungeeignet.

Raffiniert: Zweite Tastatur, Maus und Bildschirm

Schlaue Füchse kamen auf die Idee, einfach eine zweite Tastatur, Maus und Bildschirm anzuhängen. In der Tat funktioniert das und kann insbesondere dann ausreichen, wenn nur ein Gerät von nur einem anderen Unterstützung erhalten soll. Notwendig sind eine zweite Tastatur und Maus, ein zweiter Bildschirm, ein zweites Bildschirmkabel und allenfalls ein Splitter für das Bildschirmsignal. Für den Support an mehrere Geräte ist das System aber zu wenig flexibel und das Umkabeln zu aufwändig.

Der (teure) Klassiker (und seine Konkurrenten)

Die beliebteste Lösung im klassischen Remote-Dekstop-Einsatzbereich heisst Teamviewer und tatsächlich eignet sich das Tool gut für die geschilderte Anwendung. Der Haken: Die kostenlose Version ist nur für den privaten Gebrauch bestimmt und verweigert bei allzu häufigem Einsatz den Dienst. Die kostenpflichtigen Versionen sind sehr teuer, insbesondere dann, wenn mehrere Jugendarbeitende gleichzeitig Support leisten sollen, was im JOB SHOP / INFO SHOP der Fall ist. Die Lizenzkosten liegen dann bei über 100.- pro Monat. Der Grund: Der Einsatzbereich und damit die Preispläne gehen in der Regel von wenigen IT-Administrator*innen aus. Selbiges gilt für die Konkurrenten Anydesk, Cisco Webex oder VNC Connect.

Chrome Remote Desktop: kostenlos, aber…

Google bietet sehr viele praktische und gute Tools an mit jeweils einem grossen Vorteil: Die Angebote kosten kein Geld. Dafür bezahlt man mit Nutzer*innendaten – ein intransparenter Deal, dessen Konsequenzen schwer abzuschätzen sind und welcher daher in der Arbeit mit Jugendlichen mit Vorbehalten behaftet bleibt. Wir haben’s dennoch ausprobiert, wobei uns weitere Dinge störten: Die Übertragung stockte öfters und das Verbinden mit den Geräten war nicht so reibungslos wie gewünscht.

Splashtop: Flexibel und günstig

Das vorläufige Ende unserer Suche heisst Splashtop – ein überraschender Kandidat, welchen wir zuvor nicht kannten. Das Tool ist nicht kostenlos aber verhältnismässig günstig, insbesondere auch dann, wenn mehrere Jugendarbeitende mehrere Jugendliche parallel coachen sollen. Uns kostet das Jahresabo €279.-, was für uns unseren Einsatz auf jeden Fall gerechtfertigt ist. Sehr praktisch an Splashtop ist, dass alle Geräte, auf welche Zugriff möglich sein soll, abgespeichert und nach einer erstmaligen Einrichtung einfach per Knopfdruck verbunden werden können – selbstverständlich auch hier erst, nachdem wir das explizite Einverständnis der Ratsuchenden erhalten haben.

Hast du Detailfragen zu den einzelnen Lösungen? Dann schreibe uns eine Nachricht.

Dieser Beitrag wurde erstmalig auf dem DOJ-Medienblog veröffentlicht.